Dr. Samuel Hahnemann - Begründer der Homöopathie

Wer war Dr. Samuel Hahnemann?  

Der Begründer der Homöopathie ist Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann (geb. am 10. April 1755 in Meißen an der Elbe). Im Alter von 88 Jahren starb der Arzt, Chemiker, medizinische Schriftsteller und Übersetzer am 2. Juli 1843 in Paris, wohin er mit seiner zweiten Ehefrau (der Französin Melanie d'Hervilly) 1835 übersiedelt war.

Der aus Sachsen stammende Arzt wurde als Sohn des  Porzellanmalers Christian Gottfried Hahnemann und seiner zweiten Ehefrau Johanna Christiane Spieß geboren.

Sein Medizinstudium nahm Hahnemann im Alter von 20 Jahren auf. Nach seiner Studienzeit kehrte er seiner Heimatstadt den Rücken. Durch einen Selbstversuch mit Chinarinde entdeckte Hahnemann 1790 die 'Ähnlichkeitsregel' - ein Wirkungsprinzip von Arzneimitteln (siehe Homöopathie). 1799 erlangte er seine Promotion in Erlangen.

Er hatte ein 'unstetes, bewegtes Leben', verdiente seinen Lebensunterhalt größtenteils durch Übersetzungen und das Bearbeiten wissenschaftlicher Bücher. Sein Leben wurde durch viele Umzüge geprägt. Stationen seines Lebens waren: Hettstedt, Dessau, Wien, Siebenbürgen, Hermannstadt, Gommern, Dresden, Molschleben, Göttingen, Pyrmont, Wolfenbüttel, Braunschweig, Erfurt, Gotha, Eilenburg, Königslutter, Erlangen, Leipzig, Köthen und Paris (chronologisch nicht in der richtigen Reihenfolge). Die zu seiner Lebenszeit üblichen Arzneien und Anwendungsmethoden riefen seinen inneren Widerspruch hervor und 'entflammten' seinen kritischen Geist. Er suchte nach alternativen Heilmethoden. Hahnemann war ein Mann mit Prinzipien, verteidigte seine Methode, experimentierte leidenschaftlich und war ehrgeizig. Er 'eckte' wegen seiner Überzeugungen oft an. Viele Anfeindungen, nicht nur bei der traditionellen Ärzteschaft und Apothekern, waren die Folge.  

Anthony Champbell beschrieb Hahnemann als einen 'ruhelosen Geist', der weitergetrieben wurde durch die Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt für seine große Familie zu erwirtschaften. 

Mit seiner ersten Ehefrau (Johanna Leopoldina Henriette Küchler - eine Apothekerstochter ) setzte Hahnemann 11 Kinder in die Welt. Nach 48-jähriger Ehe starb Henriette am 31.03.1830 in Köthen. Im Alter von 80 Jahren heiratete Hahnemann die Französin Melanie und zog mit ihr nach Paris. Sein Grab befindet sich heute auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. 

 

Auszüge aus 'Organon der Heilkunst' von Samuel Hahnemann:

§ 1  - Beruf des Arztes

Des Arztes höchster und  e i n z i g e r  Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt. 1)

1) Nicht  aber (womit so viele Aerzte bisher Kräfte und Zeit ruhmsüchtig verschwendeten) das Zusammenspinnen leerer Einfälle und Hypothesen über das innere Wesen des Lebensvorgangs und der Krankheitsentstehungen im unsichtbaren Innern zu sogenannten Systemen, oder die unzähligen Erklärungsversuche über die Erscheinungen in Krankheiten und die, ihnen stets verborgen gebliebene, nächste Ursache derselben u. s. w. in unverständliche Worte und einen Schwulst abstracter Redensarten gehüllt, welche gelehrt klingen sollen, um den Unwissenden in Erstauen zu setzen, während die kranke Welt vergebens nach Hülfe seufzte. Solcher gelehrter Schwärmereien (man nennt es  t h e o r e t i s c h e  Arzneikunst und hat sogar eigne Professuren dazu) haben wir nun gerade genug, und es wird hohe Zeit, daß, was sich Arzt nennt, endlich einmal aufhöre, die armen Menschen mit Geschwätze zu täuschen, und dagegen nun  a n f a n g e   z u  handeln, das ist, wirklich zu helfen und zu heilen. 

§ 7 -  Gesamtheit der Smyptome

Da man nun an einer Krankheit, von welcher keine sie offenbar veranlassende oder unterhaltende Ursache (causa occasionalis) zu entfernen ist, sonst nichts wahrnahmen kann, als die Krankheits-Zeichen, so müssen, unter Mithinsicht auf etwaniges Miasm und unter Beachtung der Nebenumstände (§ 5), es auch einzig die Symptome sein, durch welche die Krankheit die, zu ihrer Hülfe geeignete Arznei fordert und auf dieselbe hinweisen kann - so muß die Gesammtheit dieser ihrer Symptome,  d i e s e s   n a c h  a u ß e n  r e f l e c t i r e n d e    B i l d  d e s   i n n e r n  W e s e n s  d e r  K r a n k h e i t ,  d . i .  d e s  L e i d e n s                 d e r   L e b e n s k r a f t, das Hauptsächlichste oder Einzige sein, wodurch die Krankheit zu erkennen geben kann, welches Heilmittel sie bedürfe, - das Einzige, was die Wahl des angemessensten Hülfsmittels bestimmen kann - so muß, mit einem Worte, die Gesammtheit der Symptome für den Heilkünstler das Hauptsächlichste, ja Einzige sein, was er an jedem Krankheitsfalle zu erkennen und durch seine Kunst  h i n w e g z u n e h m e n  hat, damit die Krankheit geheilt und in Gesundheit verwandelt werde. 

§ 153 - Charakteristische, auffällige, besondere Symptome

Bei dieser Aufsuchung eines homöopathischen specifischen Heilmittels, das ist, bei dieser Gegeneinanderhaltung des Zeichen-Inbegriffs der natürlichen Krankheit gegen die Symptomenreihen der vorhandenen Arzneien, um unter diesen eine, dem zu heilenden Uebel in Aehnlichkeit, entsprechende Kunstkrankheits-Potenz zu finden, sind die  a u f f a l l e n d e r n,  s o n d e r l i c h e n,  u n g e w ö h n l i c h e n  u n d  e i g e n h e i t l i c h e n  (charakteristischen) Zeichen und Symptome des Krankheitsfallles, besonders und fast einzig fest in's Auge zu fassen; denn  v o r z ü g l i c h  d i e s e n,  m ü s s e n  s e h r  ä h n l i c h e,    i n  d e r  S y m p t o m e n r e i h e  d e r  g e s u c h t e n  A r z n e i  e n t s p r e c h e n, wenn sie die passendste zur Heilung sein soll. Die allgemeinern und unbestimmtern: Eßlust-Mangel, Kopfweh, Mattigkeit, unruhiger Schlaf, Unbehaglichkeit u. s. w., verdienen in dieser Allgemeinheit und wenn sie nicht näher bezeichnet sind, wenig Aufmerksamkeit, da man so etwas Allgemeines fast bei jeder Krankheit und jeder Arznei sieht. 

§ 208 - Ganzheitliche Ansatz

Nächstdem muß das Alter des Kranken, seine Lebens-Weise und Diät, es müssen seine Beschäftigungen, seine häusliche Lage, seine bürgerlichen Verhältnisse u. s. w. in Rücksicht genommen werden, ob diese Dinge zur Vermehrung seines Uebels beigetragen, oder in wiefern alles dieß die Cur begünstigen oder hindern könnte. So darf auch seine Gemüths- und Denkungs-Art, ob sie die Cur hindere, oder ob sie psychisch zu leiten, zu begünstigen oder abzuändern sey, nicht aus der Acht gelassen werden.